Khalid Nasir – Chef, Dolmetscher, Vater, Vorbild

ASPRA - 33 Jahre Feier (1986-2019) am 17.05.2019 in der Werksküche in Frankfurt am Main.
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Khalid Nasir, Gründer von ASPRA Dolmetscher- & Übersetzungsbüro, wurde 1950 in Pakistan geboren. Die Liebe zum Reisen, fremden Kulturen, neuen Sprachen und schließlich die Liebe zu seiner heutigen Frau, führten ihn nach Deutschland. Als er 23 Jahre alt war reiste er mit dem Auto von Pakistan drei Monate bis nach Europa, um seine Schwester, die damals in Glasgow lebte, zu besuchen. Diese Reise war ein gefährliches Unterfangen. In Afghanistan wurden damals Menschen aus niedrigen Beweggründen erschossen, in der Wüste des Iran wartete man oft stundenlang vergeblich auf Gegenverkehr. Eine Panne hier konnte zur tödlichen Gefahr werden.  „Trotzdem wollte ich nicht Zuhause sitzen. Ich wollte etwas von der Welt sehen und verreisen.“ Bis auf ein paar kleinere Autopannen brachte der 8 Jahre alte Opel ihn sicher nach Europa. Er reiste von England bis nach Österreich, die Schweiz und schließlich nach Deutschland. Deutschland hatte es ihm sofort angetan. Eigentlich wollte Khalid Nasir hier als Fernsehtechniker arbeiten, seine Ausbildung, die er in Pakistan absolviert hatte, wurde in Deutschland aber nicht anerkannt. Trotzdem stand für ihn fest, dass er in Deutschland bleiben und die Sprache lernen wollte. Den B1 Sprachkurs hatte er bereits in Pakistan gemacht, an der Uni Frankfurt knüpfte er dann an diese Kenntnisse an.

Schnell fühlte er sich in Deutschland wohl und angekommen und meldete sich in einem Badminton Club an. Sein Vater war Profispieler, das Talent wurde ihm damit in die Wiege gelegt. Er gewann Pokale und übernahm irgendwann den Posten als Trainer des Vereins. Von seinem 24. Lebensjahr bis zum Alter von 65 Jahren begleitete ihn dieser Sport. „Ich war verrückt nach Sport und Badminton war mein liebster Sport.“  In dem Badminton Club verliebte er sich mit 24 Jahren in ein jüngeres Mädchen, dass er heute seine Frau nennen darf. Nach zwei Jahren in Deutschland sprach Khalid Nasir fließend Deutsch, weshalb ihn eines Tages ein Freund, der ebenfalls aus Pakistan kam, bat, ihn bei einem Behördengang bei der Polizei zu begleiten. Natürlich half Khalid Nasir seinem Freund. Eine Entscheidung, die sein zukünftiges Leben stark prägte. Die Polizisten waren begeistert von seinen Sprachkenntnissen und machten ihm das Angebot, als Dolmetscher zu arbeiten. Der Startschuss für sein berufliches Leben rund um das Thema Sprachen. Nach einiger Zeit wurde er zum Bundesgrenzschutz vermittelt und seine Arbeit sprach sich immer mehr herum. „Immer, wenn sie mich gebraucht haben, haben sie Zuhause angerufen. Manchmal wurde ich sogar aus dem Schlaf gerissen.“ Irgendwann kam dann die Idee, ein eigenes Büro aufzumachen, um den hohen Bedarf an Dolmetschern decken zu können.

Nach seiner Vereidigung zum Dolmetscher für Urdu und Punjabi gründete Khalid Nasir 1986 das Unternehmen Aspra.  „Punjabi ist meine Muttersprache, deshalb liegt mir diese Sprache sehr am Herzen. Urdu hat einen arabischen Ansatz und ist deshalb eine sehr schöne Sprache.“ Zusätzlich spricht Khalid Nasir noch Hindi, Englisch und Deutsch.  „Menschen, die zweisprachig aufgewachsen sind, haben meiner Ansicht nach Vorteile, wenn es um das Erlernen von Sprachen geht. Ein gewisses Sprachtalent ist sicherlich auch sehr hilfreich.“

Khalid Nasir ist von Beginn an mit Herzblut bei der Arbeit. Seine Kollegen sieht er als Brüder, bei seinen Kunden ist er beliebt und bekannt. „Es macht mir einfach Spaß neue Menschen kennenzulernen und täglich irgendwo hinzugehen, wo ich neue Menschen kennenlerne und bekannte Gesichter wiedersehe. Jeden Tag gibt es neue Überraschungen. Es wird niemals langweilig.“ Seit etwa 6 Jahren arbeitet er nicht mehr als Übersetzer, aber noch 2-3 Stunden täglich als Dolmetscher. „Was will ich Zuhause sitzen und nichts tun?“ Die Leidenschaft für die Welt der Sprachen begleitet ihn bis heute.  „Alhamdulillah“  – Mit Gottes Segen.

Interview geführt und geschrieben von Daniela Seiberle